ist der größte und wichtigste
Industriebetrieb Stralsunds und setzt die jahrhundertealte Schiffbautradition in
Stralsund fort.
Nach dem Krieg, am 15.Juni 1948
wurde auf Befehl der Sowjetischen Militär Administration in Deutschland (SMAD)
auf dem Gelände der ehemaligen Krögerwerft die Volkswerft gegründet. Natürlich
nicht aus reiner Menschenliebe, sondern um in den Nachkriegsjahren
Reparationsleistungen an die Sowjetunion zu erbringen. Offiziell wurden die
Reparationsleistungen zwar schon 1953 eingestellt, aber bis heute halten sich
Gerüchte, nach denen bis zur politischen Wende die Schiffe unter ihrem Wert
verkauft werden mussten. In den Folgejahren wurde die Werft Schritt für Schritt
zu einer modernen leistungsfähigen Großwerft für Fischereifahrzeuge ausgebaut.
Dabei wurde auch das umliegende Sumpfland mit einbezogen und befestigt. In den
70ern entstand die für damalige Verhältnisse sensationelle Schiffbauhalle 10,
hier konnten zwei Schiffe gleichzeitig wettergeschützt gebaut werden. Die
Schiffe wurden immer größer und moderner. Hatte man 1948 noch mit 17m
Holzkuttern begonnen, wurde bald darauf mit den legendären Loggern, von denen
allein 594 Einheiten hergestellt wurden, weitergemacht. Es folgten sehr
erfolgreiche Großserien , von denen die Werften heutzutage träumen würden, wie
Mitteltrawler (171 Einheiten), Fang- und Verarbeitungsschiffe Typ „Tropik“ (86
Einheiten), Typ „Atlantik“ (147 Einheiten), Typ „Atlantik-Supertrawler“ (195
Einheiten) , Gefriertrawler-Seiner (134 Einheiten) und der 120m lange
Fabriktrawler „Atlantik 488“ (37 Einheiten).
In Spitzenzeiten arbeiteten zu
DDR-Zeiten bis zu 8000 Menschen auf der Werft, allerdings waren einige auch mit
der so genannten „Konsumgüterproduktion“ beschäftigt.
Nach der politischen Wende und
dem Wegfall des russischen Marktes geriet auch die Volkswerft in stürmische See.
Etliche Entlassungswellen rollten über die Werft und tausende Mitarbeiter
verloren ihren Job.
1993 wurde endlich ein Investor
für die Volkswerft gefunden, der Bremer Vulkan Verbund. Ab 1994 erfolgte dann
mit Hilfe von EU-Mitteln der Umbau zu einer modernen Kompaktwerft. Von den nun
schon in die Jahre gekommenen Produktionsanlagen wurde ein großer Teil
abgerissen um Platz zu machen für die neue große Schiffbauhalle.
Die Werft von oben, mit Containerschiff
VWS2500
Der Traum vom weltumspannenden
Imperium war schon 1996 für die Herren des Bremer Vulkans ausgeträumt, sie
mussten Konkurs anmelden. Die Volkswerft konnte sich wirtschaftlich abkoppeln
und kam in den Besitz der Treuhand-Nachfolgeorganisation BvS , des Landes MV und
der Stadt Stralsund.
Der Umbau ging planmäßig
weiter, die gigantische 305m lange, 108m breite und 74m hohe Schiffbauhalle ging
im Sommer 1997 in Betrieb. In der Halle arbeitet ein Portalkran mit einer
Hubkraft von 800t.
Nur wenige Monate später war der größte Schiffslift der Welt (fast 22.000 t
Tragfähigkeit) fertig, der dazu benutzt wird, die fast fertigen Schiffe zu
Wasser zu bringen. Die Schiffbauhalle der Volkswerft wurde übrigens 1999 in
Anwesenheit von Princess Anne in London mit dem “
EUROPEAN STRUCTURAL STEEL AWARD“
ausgezeichnet, nicht
zuletzt dafür, daß sich die Fassade unaufdringlich in die Landschaft einfügt.
Es war das erste mal, daß ein Gebäude
in Deutschland mit dieserAuszeichnung geehrt wurde. Auch die
Eingangs schon erwähnte Halle 10 existiert noch, sieht aber neben der neuen
Halle, die zu den größten der Welt zählt, wie eine Würstchenbude aus.
Nach vielen Jahren im Besitz
des dänischen A.P.Möller Konzerns, gehört die Volkswerft heute zur
Hegemann-Gruppe.
Nach der Wende wurden die
verschiedensten Schiffe gebaut, hauptsächlich Containerschiffe von 600 bis 4000
TEU (Standardcontainer). Aber auch Cruiseliner, Saugbagger und Kabelleger
entstanden in der Zwischenzeit. Jüngste Neubauten sind unter anderem eine Serie
von so genannten „Anchor Handling Tug Supply Vessels“ (AHTS) , Schiffe, die zur
Versorgung und zum Schleppen von Bohrinseln eingesetzt werden. Diese Schlepper
stellen in ihrer Klasse die „Kings Class“ dar.
"Olivia Maersk" (VWS2900) im
Panamakanal - Bild mit freundlicher Genehmigung von Werner Höppner
Achso, bevor ich es vergesse, schnell noch eine kleine Geschichte
aus DDR-Zeiten:
Die Schiffbauhallen waren von 1 bis 10
durchnummeriert.
Es gab da auch noch die legendäre
"Halle 8". Die befand sich aber nicht auf der Werft, sondern kurz davor. Der
Codename für die berühmte Mitropa-Gaststätte im Rügendammbahnhof ! Wenn
mal wieder ein Kollege etwas länger verschwunden war und nach "scharfem
Rasierwasser" roch, wurde er oft mit den Worten begrüßt: Na, warst Du wieder in
Halle 8 ? :-)
Nebenbei bemerkt, gab es das zu der Zeit
auch im Westen, was ich da mal in den Neunzigern in Bremerhafen erlebt
habe, ...... mein lieber Scholli, da waren wir absolute Waisenknaben
gegen.
Das ist aber lange vorbei, heute herrscht Ordnung
und Alkohol während der Arbeitszeit trinkt wohl niemand mehr.