sind für Stralsund das
Großereignis des Jahres und stellen gleichzeitig das größte historische
Spektakel Norddeutschlands dar. Wenn der ehrgeizige General Wallenstein
(Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein) schon damals geahnt hätte, dass die
Stralsunder noch heute den Sieg über seine Armee feiern würden, er wäre wohl nie
vor den Toren der Stadt erschienen um sie zu erobern.
Jedes Jahr Ende Juli verwandelt
sich die Stralsunder Innenstadt wieder zurück in ein historisches Heerlager.
Soldaten mit Rüstung, Helm und Hellebarden patrouillieren durch die Stadt,
Kanonendonner und Musketenschüsse verkünden auch dem Letzten, dass in Stralsund
was los ist. Der Alte Markt ist kaum wieder zu erkennen, Gaukler und fahrendes
Volk bevölkern den Platz und hoffen auf gute Geschäfte. Der Geruch von Rauch,
Schwefel, Pferden und diversen gebratenen und gegrillten Köstlichkeiten zieht
durch die Straßen. Mittelalterliche Musik dringt aus dem ehrwürdigen Rathaus und
der Klang von Trommeln und Fanfaren erfüllt die Luft. Wenn General Wallenstein
und unser alter Bürgermeister Lambert Steinwich auf der Bühne auf dem Alten
Markt erscheinen, wird sie wieder lebendig, die Geschichte der erfolglosen
Belagerung.
Einer der Höhepunkte der
Festtage ist zweifelsohne der historische Festumzug der Stralsunder Bevölkerung
am Eröffnungstag. Da wir in der glücklichen Lage sind, dass das Theater
Vorpommern mit einem riesigen Fundus an historischen Kostümen ausgestattet ist,
bietet dieser Umzug in Stralsunds mittelalterlicher Altstadt reichlich schöne
Motive für jeden Fotografen.
Vom Alten Markt durch die
Semlower Straße bis hin auf die Hafeninsel bieten Händler ihre Waren an. Wer da
nicht irgend etwas findet ist selbst schuld.
Ein weiterer Höhepunkt ist in
jedem Jahr das traditionelle Heerlager der Schweden.
Bekanntlich hat der schwedische
König Gustav Adolf Truppen entsandt, um den Stralsundern bei ihrem Kampf gegen
die Wallensteinsche Armee zu helfen.
Die schwedischen
Traditionsvereine sind wirklich sehr gut ausgestattet, das muss man wirklich mal
sagen, und es macht ihnen offensichtlich großen Spaß, bei unserem Fest dabei zu
sein.
Die
Geschichte:
Der dreißigjährige Krieg zog
bereits 10 Jahre über das Land, als im Frühjahr des Jahres 1628 der General von
Arnim im Auftrag der Kaisers Ferdinand und General Wallensteins vor den Toren
der Stadt erschien.
Albrecht Wenzel Eusebius von
Wallenstein, eine der bedeutendsten Personen
des Dreißigjährigen Krieges, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits große Teile
Deutschlands und ganz Mecklenburg erobert. Der Herzog von Pommern, Bogislaw XIV,
musste sich schon 1627 verpflichten, eine kaiserliche Garnison in Stralsund
unterzubringen. Einzig die Hansestadt spielte dabei nicht mit. Während Arnim und
die Stadt verhandelten, wurde in aller Eile die Stadtmauer und die Wehranlagen
verstärkt und die Bürgerwehr auf über 5000 Mann verstärkt.
General von Arnim verlor die
Geduld, besetzte den Dänholm und begann mit der Belagerung der Hansestadt. Die
Situation war sehr verzwickt, durch den Verlust des Dänholms war die Verbindung
nach Rügen und damit zur Lebensmittelversorgung gekappt. Der Rat der Stadt war
kurz davor, sich den Bedingungen zu unterwerfen.
Die Stadtmauer, die Teiche und
das umliegende Sumpfland boten der Stadt aber genügend Schutz um den Angriffen
der Eroberer zu widerstehen und Arnim kam einfach nicht voran.
Stralsunds Bürgermeister
Lambert Steinwich verhandelte inzwischen heimlich mit dem schwedischen König
Gustav Adolf.
Am 26.Juni erschien Albrecht
von Wallenstein persönlich mit frischen Truppen und zusätzlichen drei
Regimentern, die er sich von Johann Tserclaes Graf von Tilly, dem Feldherren
der katholischen Ligatruppen, geborgt hatte, auf dem Schlachtfeld.
Unverzüglich befahl er den
Sturm auf Stralsund. In kurzer Zeit fielen die Außenanlagen der Verteidigung.
Nur die 10 Meter hohe Innenmauer hielt den Angriffen stand. Alles deutet auf
einen schnellen Sieg Wallensteins dahin.
Der Stralsunder Rat bat um eine
Waffenruhe. Heimlich wurden schwedische und dänische Truppen in die Stadt
gebracht. Zum Schein wurde mit General Wallenstein weiter verhandelt.
Und dann kam er, der Tag an dem
die Stralsunder zurückschlugen.
Der Dänholm musste schon vorher
von den kaiserlichen Truppen aufgegeben werden, die Stralsunder haben kurzerhand
den Spieß umgedreht und den Dänholm blockiert. Wallenstein soll vor Wut getobt
haben.
In einem Handstreich wurde das
schlecht gesicherte Heerlager der Wallensteinschen Truppen überfallen und dem
Feind empfindliche Verluste beigebracht.
Tagelange Gemetzel mit schweren
Verlusten auf beiden Seiten folgten.
Einsetzender Dauerregen
zermürbte die Angreifer und ließ die Allianz aus Stralsundern, Dänen und
Schweden über sich hinauswachsen.
Am 24. Juli 1628 musste General
Albrecht von Wallenstein mit den Resten seiner völlig zerstörten und
demoralisierten Armee das Feld räumen und sich davonmachen.
Aus Stralsund, vom Turm der
Nikolaikirche, musste er auf seinem Rückweg noch ein Spottlied mit anhören und
sich verhöhnen lassen.
Seitdem wird in jedem Jahr
traditionell das so genannte "Hohnblasen" veranstaltet.
Der Preis für diesen Sieg
allerdings war hoch, es gab hunderte Tote und Verletzte. Die Jahrhunderte
währende Unabhängigkeit der Hansestadt ist dahin. Der Schwedenkönig hatte bei
den Verhandlungen gefordert, dass der Hafen frei benutzt werden darf und dass
Stralsund die schwedischen Truppen zu verpflegen und unterzubringen hat. Damit
hatte Gustav Adolf den Brückenkopf, den er brauchte, um zwei Jahre später seine
Invasion in Deutschland zu starten. Die Schwedenzeit hatte begonnen.
Wir sind Euch Schweden und
Dänen aber dennoch dankbar und freuen uns immer wenn Ihr uns besuchen kommt,
besonders aber zu den Wallensteintagen.