Informationen zur Hansestadt Stralsund



 


Sie sind Besucher Nr.

gratis Counter by GOWEB


Geschichte       Original Matrosenlogbuch     Schwesterschiffe     Technische Daten     über Johann Kinau alias Gorch Fock   weiterführende Links

Die Gorch Fock ist heimgekehrt

 

Es war ein bewegender Moment für Tausende Stralsunder, als am späten Nachmittag des 25.September 2003 die ersten Mastspitzen der Gorch Fock hinter der „Höhe 23“ auftauchten. Bis dahin mochte es irgendwie noch keiner so richtig glauben, aber sie kam wirklich, unsere Gorch Fock! Schon einmal war sie kurz vor Stralsund, am 17.August 1993, zu ihrem 60.Geburtstag. Damals konnte sie Stralsund nicht anlaufen, ihre Masten waren zu hoch um unter der Hochspannungsleitung zwischen Rügen und dem Festland, bei der Prossnitzer Schanze, hindurch zukommen.

Traurig sah sie aus, so gefangen im Rumpf des Dockschiffes Condock V, wie ein gefesselter Schwan, aber immer noch majestätisch schön. Ihre Masten waren für den Transport gekürzt worden und am Bug stand noch immer in kyrillischen Lettern der Name, den sie all die Jahre in der Fremde getragen hatte: Towarischtsch.

Langsam bewegte sich das Dockschiff durch die enge Fahrrinne des Strelasundes. Als sie ihre Versenkungsposition (54 Grad 17 Minuten 28 Sekunden Nord, 13 Grad acht Minuten 22 Sekunden Ost) erreichte, ertönte das Typhon , vermutlich zur Erinnerung an diese traurige Nacht vom 30.April auf den 01.Mai 1945, als das Schiff von ihrer Besatzung selbst versenkt wurde.

Auf dem Strelasund waren etliche Segelboote, Motorboote und sogar Ruderer versammelt um die heimkehrende alte Dame zu begrüßen. Langsam zog sie vorbei am Dänholm, der Insel im Strelasund, auf der im Jahre 1848 die deutsche Marine gegründet wurde. Einst gehörte die weiße Schönheit zu dem darauf stationierten 1.Schiffsstammregiment.

Als Condock V am Kai der Volkswerft festmachte, war es geschafft, unsere Gorch Fock ist endlich wieder zu Hause.

Tage später wird sie auf der Werft geröntgt und eingehend untersucht. Ihr Zustand ist weitaus besser als angenommen, sie hätte den Weg von Wilhelmshaven wohl auch ohne fremde Hilfe geschafft. Alte Schiffbauer, mit denen ich gesprochen habe, sind begeistert von der Qualität des Rumpfes. Die notwendigen Reparaturen werden planmäßig fertig und am 28.November konnte sie wieder zurück ins Wasser. Der 29.November 2003 wird wohl in die Geschichte unserer Stadt eingehen. An diesem denkwürdigen Tag wurde die Gorch Fock von der Werft, durch den Rügendamm wieder zurück an ihren alten angestammten Liegeplatz an der historischen Ballastkiste verholt. Vor den Augen von zehntausend Stralsundern, Gästen und ehemaligen Gorch Fock Fahrern, taufte Frau Rosemarie Schmidt-Walther die Bark wieder auf ihren alten Namen: Gorch Fock !

Die Geschichte

Wie so oft im Leben fängt das Gute manchmal mit einer traurigen Geschichte an. In diesem Falle war es der Untergang der "Niobe", dem Segelschulschiff der Reichmarine, 1932 im Fehmarnbelt, bei dem 69 Seeleute ihr Leben verloren.
Als Ersatz wurde bei Blohm und Voss in Hamburg die "Gorch Fock" in Auftrag gegeben. Finanziert wurde das neue Segelschulschiff teilweise durch Spenden. In der Rekordzeit von nur 100 Tagen erfolgte dann der Stapellauf am 03.Mai 1933. Bei der Konstruktion wurde besonderes Augenmerk auf die Sicherheit des Schiffes gelegt. So wurde soviel Ballast in den Kiel gebracht, dass sich selbst bei einer Krängung von ca. 90° das Schiff immer noch allein aufrichtete. Die Indienststellung als Segelschulschiff war am 27.Juni 1933. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges machte sie mehrere Ausbildungsfahrten, bis sie dann nach Stralsund kam. Hier diente sie als stationäres Ausbildungs- und Büroschiff.

In den letzten Kriegstagen ankerte die Gorch Fock in der Nähe von Stralsund, zwischen Drigge und Devin. Am 30.April 1945 wurde die Bark von Panzern der Roten Armee beschossen und erhielt vier Treffer, die aber keinen größeren Schaden anrichteten. In der Nacht dann, wurde das Schiff von der eigenen Besatzung versenkt, damit es nicht in Feindeshand fiel.

Bis 1947 lag die Bark unter Wasser, nur die Masten und das Vorschiff schauten noch aus dem Wasser heraus und erinnerten an das Geschehene. Auf sowjetischen Befehl hin gründete sich in Stralsund eine Bergungsfirma, die sich an das schwierige Unterfangen machte, die weltweit erste Bergung eines Schiffes mit stehenden Masten vorzubereiten. Erst der dritte Versuch gelang. Im Juni konnte die Gorch Fock an einem eigens angefertigten Holzsteg am Dänholm festmachen. Dort wurde sie dann für den Transport zur Rostocker Neptunwerft vorbereitet. In Rostock wurden die Unterwasserschäden repariert. Anschließend wurde die Bark zur endgültigen Fertigstellung weiter nach Wismar gebracht. Der Ausbau als sowjetisches Schulschiff dauerte bis zum Juni 1951. Für lange Zeit trug sie nun den Namen "Towarischtsch", ihr neuer Heimathafen war erst Odessa am Schwarzen Meer, später Cherson am Dnjepr.

In den 40 Jahren unter sowjetischer Flagge nahm sie an zahlreichen Regatten teil und tausende Kadetten der sowjetischen Handelsmarine erlernten dort ihr Rüstzeug. In der UDSSR war es bis in die neunziger Jahre Pflicht, einen Teil der seemännischen Ausbildung auf einem Segelschulschiff zu absolvieren.

Mit dem Zusammenbruch der alten Sowjetunion verblieb das Schiff in seinem Heimathafen Cherson und gelangte damit in ukrainischen Besitz. Anfang der neunziger Jahre lief für unser Schiff noch alles glatt, Regatten ohne Ende, sogar bis nach Amerika ging die Reise.

1995 nach einem Werftbesuch in England dann der Schock, die nötigen Reparaturkosten überstiegen bei weitem die zur Verfügung stehenden Mittel des Eigners. Die englischen Sicherheitsbehörden entzogen dem Schiff die Lizenz und damit lag es in England fest. Bis 1999 schlug sich die Besatzung in England mit Hilfe des Vereins "Tall Ship Friends" und unter großer Anteilnahme der englischen Bevölkerung durch. Dann durfte das Schiff mit einer Sondergenehmigung nach Deutschland geschleppt werden, erste Station war Wilhelmshaven. Schon 1999 gab es Bemühungen der Stadt Stralsund, die Bark zurück an den Sund zu holen, aber die Wilhelmshavener waren eben einfach schneller und hatten das bessere Konzept. Kurzzeitig sorgte der Großsegler noch für Furore bei der Expo 2000 , dann wurde es still um ihn. Wilhelmshaven ging wohl langsam das Geld für den Unterhalt aus und so wurde die Towarischtsch an einen unbedeutenden Liegeplatz verholt. Die verbliebene Crew lebte inzwischen nur noch von Spenden. Jetzt war wohl der Zeitpunkt gekommen, mit der Ukraine über den weiteren Verbleib des Schiffes zu verhandeln. Nachdem der ukrainische Botschafter Ponomarenko in Stralsund zu Gast war, setzte selbst der sich für Stralsund ein. Im Gegensatz zu 1999 wurde dieses Mal im Vorfeld der Aktion nicht so viel in der Presse diskutiert, sondern gehandelt. Der Verein "Tall Ship Friends" und insbesondere Herr Peer Schmidt Walter haben es dann am 09.September 2003 doch wirklich geschafft, die Ukrainer haben dem Verkauf zugestimmt. Seitdem ist der Verein "Tallship Friends e.V." der neue stolze Eigner.

Noch am selben Tag beginnen die Vorbereitungen für den Transport mit dem Dockschiff, der Mast wird gekürzt und tonnenweise Ballast wird entnommen. Provisorische Pallungen (Stützen) für den Transport werden von Schiffbauern der Stralsunder Volkswerft angefertigt. Am 23.September schwimmt die Bark ins Dockschiff ein. Nach dem Lenzen der Ballasttanks hat der Segler endlich "trockene Füße" und die Reise geht ab nach Stralsund . Am 25. September 2003 ist die Odyssee der Gorch Fock endlich zu Ende:

Willkommen zu Hause !

 

Ein besonderes Ereignis

Am 23.Spetember 2007 hatte ich das große Glück, einem besonderen Ereignis beiwohnen zu dürfen, der feierlichen Übergabe eines originalen Matrosenlogbuches von 1934.

Ziemlich überraschend für mich, bekam ich im Frühjahr 2007 Post aus den USA mit einer freundlichen Einladung  zu einer Feierstunde auf der Gorch Fock. Stephen M. Hicks, ein großer Freund der Deutschen und unserer Stadt war der Absender. Endlich war der 23.September da und ich durfte Mr. Hicks und seine Freunde aus Rostock und Stralsund persönlich kennen lernen. Ein beeindruckender Mann, der mit seiner Herzlichkeit sofort jede anfängliche Scheu schnell verfliegen lässt. Stephen Hicks ist Feuerwehrmann in der Nähe von New York und spricht übrigens ein hervorragendes Deutsch, das hat mich tief beeindruckt. Mein Englisch ist dagegen geradezu erbärmlich. Aber nun zur eigentlichen Geschichte. Mr. Hicks war bereits im Jahr 2006 in Deutschland bei seinen Freunden in Rostock zu Gast, den Brüdern Mario und Haiko Mau. Die beiden haben Stephen durch ganz Mecklenburg Vorpommern geführt und haben natürlich auch Stralsund nicht ausgelassen ( das wäre auch ein Ding gewesen :-))  Anscheinend hat Stephen sich so in das Land verliebt, daß er gleich im nächsten Jahr wieder hierher zurück wollte. Bei der Suche in Amerika nach einem passenden Gastgeschenk für seine Stralsunder Freunde und für die Stadt, fand er in einem Antiquitätengeschäft besagtes original Matrosenlogbuch. Schnell war die Idee geboren, das Logbuch dem Bordmuseum der Gorch Fock zu übergeben.

Alles war perfekt organisiert, die Offiziersmesse war feierlich dekoriert mit diversen Zeugnissen aus der Stralsunder und der deutschen Geschichte. US-Flaggen und die schwarz-rot-goldene Fahne zierten die Messe. Jeder der Anwesenden erhielt zu Erinnerung ein selbst gestaltetes T-Shirt und Anstecker von Stephen. Die Ostsee-Zeitung war da, die Hymnen beider Länder erklangen und Kameras klickten wie in Hollywood als Stephen eine Rede über die Freundschaft zwischen Amerikanern und Deutschen hielt.   Der 1.Vereinsvorsitzende von "Tallship Friends e.V.", Wulff Marquardt war hell begeistert, denn ein Original aus dieser Zeit hat selbst er noch nicht in der Hand gehalten. Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war, dass eine DVD mit einem Film aus jener Zeit von einer Ausbildungsreise der Gorch Fock gezeigt wurde, die so in Deutschland wohl nicht zu kaufen ist. Hochinteressant sage ich nur.

Anschließend führte Herr Marquardt uns durch das Schiff und erzählte noch interessante Einzelheiten.

Alles in allem, ein sehr schönes Erlebnis für alle Anwesenden, das mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Es war mir eine Freude, so nette Menschen kennen gelernt zu haben. Danke Stephen !

 

Schwesterschiffe

Unsere "Gorch Fock" war das erste Schiff einer sehr erfolgreichen Serie von Großseglern. Bei "Blohm und Voss" wurden bis 1958 insgesamt 5 Einheiten gebaut. Ein sechstes Schiff, die "Herbert Norkus", wurde durch die Kriegswirren nicht mehr fertig gestellt und nach dem Krieg von den Alliierten mit Giftgasgranaten gefüllt und 1947 im Skagerrak versenkt. Die "Horst Wessel" wurde 1946 von den Amerikanern als Reparation beschlagnahmt und ist seit dem als "Eagle" im Dienst der US Coast Guard. Die "Albert Leo Schlageter" wurde ebenfalls von den Amerikanern konfisziert und nach Brasilien gegeben. Bis 1961 fuhr sie dort unter dem Namen "Guanabara" als Schulschiff für die brasilianische Marine. 1961 kam sie nach Portugal und wurde als "Sagres II" in Dienst gestellt. Die Portugiesen hatten gerade die alte "Sagres" ausgemustert, ebenfalls ein Segler der aus Deutschland stammt, die ehemalige "Rickmer Rickmers". Die "Mircea" wurde wurde 1938 im Auftrag der Rumänischen Marine fertig gestellt und fährt seit dem fast ununterbrochen unter rumänischer Flagge. Kurz nach dem 2.Weltkrieg wurde sie kurzzeitig von den Russen beschlagnahmt, aber wieder zurückgegeben. Über einen anderen Namen in dieser Zeit ist mir leider nichts bekannt.

Wieder einmal war ein Schiffsunglück der Auslöser für den Neubau eines Segelschulschiffes. Der Untergang des 1905 gebauten Flying P-Liners "Pamir" am 21.September im  Hurrican "Carrie" in der Mitte des Atlantik, bei der die gesamte Besatzung bis auf 6 Mann ums Leben kam, hat einen tiefen Schock in Deutschland ausgelöst. Im Ergebnis entstand die neue "Gorch Fock" die seitdem zur Ausbildung der Kadetten der Bundesmarine genutzt wird. Genutzt wurden die Pläne der niemals fertig gestellten "Herbert Norkus". Deren Rahen, Stengen und die Takelage wurden ebenfalls für den Bau verwendet. Niemand konnte zu dem Zeitpunkt auch nur ahnen, dass die erste "Gorch Fock" wieder in deutschen Besitz kommen würde, sonst hätte man bestimmt einen anderen Namen gewählt.

Außerdem existieren noch einige Nachbauten einer Werft aus Bilbao (Spanien) für einige südamerikanische Marinen. Diese Schiffe unterscheiden sich nur in der Aufbauten und in der Größe der Tanks. Es sind die "Gloria" (1967) für Kolumbien, die "Guayas"(1976) für Ecuador, die  "Simón Bolivar"(1979) für Venezuela und die "Cuauhtémoc"(1982) für Mexiko.

 

Technische Daten

Name

Gorch Fock

Eagle

Sagres II

Mircea

Gorch Fock (II)

Eigner-Nationen nacheinander

Deutschland, Sowjetunion, Ukraine, Deutschland

Deutschland, USA seit 15.05.1946

Deutschland, kurz USA; Brasilien, seit 1961 Portugal

Rumänien

Deutschland

Ex - Namen

Gorch Fock, Tovarischtsch

Horst Wessel

Albert Leo Schlageter, Guanabara

-

-

Heimathafen

Hansestadt Stralsund

New London
(Connecticut)

Lissabon

Constanza

Kiel

Baujahr

1933

1936

1937

 1938

1958

LüA

82,10 m

89,70 m

89,48 m

82,10 m

89,30 m

Länge Rumpf

73,70 m

80,70 m

81,28 m

73,70 m

81,20 m

Länge zw. Loten

62,00 m

70,20 m

70,10 m

62,00 m

70,20 m

Breite

12,00 m

11,90 m

12,02 m

12,00 m

12,00 m

Tiefgang

5,20 m

5,20 m

5,30 m

5,20 m

5,00 m

Höhe Großmast

41,30 m

45,70 m

45,00 m

41,38 m

45,30 m

 Segelfläche
Anzahl

1750 m²
23

1983 m²
22

1796 m²
23

1748 m²
23

2037 m²
23

 

Über Johann Kinau, besser bekannt als Gorch Fock

Johann Wilhelm Kinau war das älteste Kind einer Familie von Fischern in Hamburg/Finkenwerder und wurde am 22.08.1880 geboren. Nach der Schulzeit ging er zu seinem Onkel August Kinau nach Geestemünde bei Bremerhaven und machte eine Lehre als Kaufmann. Später arbeitete er als Schreiber und Kontorist in Meiningen, Bremen und Halle/Saale. Ab 1907 arbeitete er für die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Seine Frau Rosa Elisabeth Reich heiratete er 1908. Beide hatten zusammen drei Kinder. Johann Kinau begann seine Karriere als Schriftsteller etwa 1904 und schrieb unter den verschiedenen Pseudonymen "Jakob Holst", "Giorgio Focco" und natürlich "Gorch Fock".

Der bekannteste Roman "Seefahrt ist not" ist aus dem Jahr 1913.

Im ersten Weltkrieg, 1915, wurde er zur Infanterie eingezogen und kämpfte in Serbien, Russland und bei der Schlacht von Verdun in Frankreich. Später meldete er sich freiwillig zur Marine. In der Schlacht vom Skagerrak sank am 31.05.1916 die S.M.S Wiesbaden  und riss Johann Kinau mit in die eiskalte Tiefe. Seine Leiche wurde später an dem schwedischen Strand in der Nähe von Fjällbacka gefunden und auf der Insel Stensholmen zusammen mit anderen deutschen und britischen Kriegsopfern bestattet.

Seine wichtigsten Werke waren:

  • 1911 "Schullengrieper un Tungenknieper" (Erzählung)
  • 1912 "Hein Godenwind" (Drama)
  • 1913 "Seefahrt ist not!" (Roman)
  • 1914 "Finkwarder Speeldeel" (Drama)
  • 1914  "Fahrensleute"
  • 1914-15 Plattdeutsche Kriegsgedichte

 

Links zur "Gorch Fock" und ihren Schwesterschiffen

http://gorch-fock-stralsund.de/

http://encyclopedia.thefreedictionary.com/Gorch+Fock+(1933)

http://www.cga.edu/eagle/eagle.htm   

http://www.janmaat.de/wessel.htm

http://www.esys.org/bigship/sagres.html

http://dikigoros.t35.com/bio/gorchfock.htm

 


Impressum          Haftungsausschluss        Kontakt